Die EUTB ist wichtig für die Menschen, die durch alle Netze fallen.

Warum es wichtig ist, dass es die EUTB gibt:

Text: Anja Weinmann / EUTB-Beratungsstelle Main-Tauber-Kreis

„Sie wurden uns empfohlen, weil uns kein anderer weiterhelfen kann.“

Dieser Satz prägt unsere Tätigkeit in der EUTB Main-Tauber-Kreis. Wir sind ein flächenmäßig großer, sehr ländlicher Landkreis. Die Nahverkehrsmöglichkeiten sind schlecht bis gar nicht vorhanden. Menschen mit Einschränkungen haben es hier noch schwerer mobil zu sein. Dementsprechend schwierig gestaltet sich auch die Antragsstellung, der Besuch bei Behörden etc. Viele Menschen kapitulieren.

Warum ist hier die EUTB-Beratungsstelle so wichtig?

Weil sie aufsuchend arbeitet, unabhängig ist, Bedürfnisse feststellt und ein Vermittlungsglied zwischen Betroffenen und Ämtern und Behörden herstellt.

Ein Fall zeigt das ganz deutlich:

Wir wurden von einem Mann angerufen, mit der Bitte ihn dringend zu besuchen, weil er einige Formulare ausfüllen müsse, damit er weiter Unterstützung bekäme. Bei dem Hausbesuch bot sich uns ein erschreckendes Bild. Der Mann ist schwer zuckerkrank, konnte sich keine Medikamente kaufen, Miete und laufende Kosten fraßen seine gesamten Einkünfte auf. Er hatte kein Geld sich Essen oder lebensnotwendige andere Dinge zu besorgen. Eine Nachfrage beim Jobcenter ergab, dass er dort noch als vermittelbar geführt wurde. „Wir machen keine Hausbesuche. Deshalb war uns die Situation nicht klar.“ So die Aussage der zuständigen Sachbearbeiterin. Es wurden Gespräche mit Krankenversicherung, MDK, Eingliederungshilfe, Jobcenter, Nachbarschaftshilfe etc. geführt, damit wenigstens die Grundversorgung gesichert ist. Nach langen, zeitintensiven Gesprächen konnten wir folgende Erleichterungen für unseren Klienten erreichen:

  • Versorgung durch die Tafel mit Lebensmitteln
  • Unterstützung durch die Nachbarschaftshilfe bei der Wohnungsreinigung und um soziale Kontakte zu schaffen
  • Nach zwei Monaten konnte sich der Klient endlich wieder die lebensnotwendigen Diabetesmedikamente aus der Apotheke holen
  • Es erfolgte eine Neueinstufung durch den MDK
  • Das Jobcenter genehmigte einen höheren Zuschuss zu den Heizkosten. Somit hat der Klient etwas mehr Geld für Lebensmittel zur Verfügung.

Das Jobcenter bedankte sich für unsere schnelle und konstruktive Hilfe, da ihre Möglichkeiten begrenzt sind. Genauso ist es bei anderen Stellen. Uns ist eine gute Zusammenarbeit wichtig und dies fließt auch in unsere Arbeit mit ein. Durch die Möglichkeit der niederschwelligen Hilfe, können wir da ansetzen, wo Menschen mit Einschränkungen drohen durch das „soziale Raster“ zu fallen. In der Zwischenzeit haben wir uns ein gutes Netzwerk aufgebaut um unsere Klienten adäquat unterstützen zu können. Dies ist oftmals sehr zeitintensiv, aber es lohnt sich.

Unsere EUTB-Stelle ist Anlaufstelle für Menschen von 0-100 Jahren, für Betroffene, Eltern, Kinder, Senioren, soziale Stellen und Behörden. Wir bilden eine Schnittstelle, vermitteln, helfen und begleiten. Die EUTB muss bestehen bleiben, damit diese Menschen nicht durch das soziale Raster fallen und eine Anlaufstelle haben, wo sie wertschätzend empfangen werden und ihre Anliegen ernst genommen werden.