Warum es wichtig ist, dass es die EUTB gibt: Lüneburger Netzwerkerinnen berichten. Teil II

Bild mit blauem Kreis und weinroter Umrandung. Weiße Schrift im Kreis #EUTB4ever darunter #Lüneburg

Text: Cornelia Baumann und Carina Schmöle-Karst

Die EUTB`s brauchen Zeit und Planungssicherheit

Es gibt uns nun 1,5 Jahre und wir haben viel Zeit und Kraft in die Vernetzung gesteckt. Dadurch, dass wir keinen Leistungsträger und Leistungserbringer als Träger der Beratungsstelle haben, mussten wir erst einmal in die Netzwerke reinkommen, die andere Anbieter bereits hatten, da es sie schon lange gibt. Wir haben also alle Arbeitskreise persönlich aufgesucht und uns vorgestellt. Jetzt, nach 1,5 Jahren, merken wir, dass wir in den Köpfen der Netzwerkpartner angekommen sind und nun Ratsuchende an uns weiter verwiesen werden. Gleichzeitig hören wir aber auch oft, dass den Ratsuchenden ein Hinweis auf uns selten reicht. Meist kommen die Klienten zu uns, wenn Sie das 2. oder 3. Mal von uns hören. Auf die Frage warum es den Menschen schwer fällt, gleich beim ersten Mal Kontakt zu uns aufzunehmen, wird deutlich, dass es nicht an uns oder unserem Angebot liegt, sondern an der Tatsache, dass die meisten das Gefühl haben, sie müssten sich selbst zunächst eingestehen, dass sie es nicht alleine schaffen und Unterstützung brauchen. „Alle andern um uns herum schaffen doch auch alles alleine. Nun haben wir schon ein besonderes Kind und dann schaffen wir das auch nicht….“

Ergänzend kommen Menschen mit Flucht- und Migrationserfahrung zu uns, die teilweise sehr schlecht deutsch sprechen und es für viele Sprachen auch keine Kulturmittler in der Muttersprache der Ratsuchenden gibt. Dies stellt uns in der Beratungssituation vor eine große Herausforderung. Oft ist es schwer zu verstehen, welche gesundheitlichen Beeinträchtigungen vorliegen, wie der Stand der medizinischen Versorgung ist und worum es aktuell genau geht. Meist ist viel Zeit und Geduld nötig, um diese komplexen Zusammenhänge adäquat begleiten zu können und diese Beispiele machen auch deutlich, dass eine Beratung in der EUTB viel mehr ist, als das reine Gespräch an sich. Eine Beratung bei uns birgt sehr viel Vor- und Nachbereitungszeit. Diese hängt nicht zuletzt natürlich auch vom Ratsuchenden selber ab. Oft reicht „Hilfe zur Selbsthilfe“ nicht aus. Diese Zeiten werden nirgends dokumentiert oder evaluiert und dennoch nehmen sie einen unglaublich großen Raum ein. Kritisch anzumerken bleibt, dass es bei Ratsuchenden im fremdsprachigen Kontext zumeist auf einer sehr „oberflächlichen Ebene“ bleibt. Wir bekommen die Hilfen und die ihnen zustehenden Leistungen organisiert, aber um tiefer in die Thematik einzusteigen oder auf psychosozialer Ebene einmal darüber ins Gespräch zu kommen, ob eine persönliche psychologische Aufarbeitung des Erlebten ergänzend sinnvoll erscheint, ist nahezu unmöglich.